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BARBARA EVENS CLEMENTS: A History of Women in Russia. From Earliest Times to the Present. Bloomington, IN, Indianapolis: Indiana University Press, 2012. XXV, 386 S., Abb. ISBN: 978-0-253-00097-2.
Die emeritierte amerikanische Historikerin Barbara Evans Clements ist eine Pionierin der russischen und sowjetischen Frauengeschichte. Ihre Auseinandersetzung mit dem Thema begann in den frühen siebziger Jahren mit ihrem Interesse für Aleksandra Kollontaj. In der Folge entwickelte sich Clements zu einer Spezialistin für die Rolle der Frauen in der Revolution und im bolschewistischen Staat. Sie publizierte zahlreiche Aufsätze und Monographien zu diesem Zeitraum, war aber auch immer wieder an der Edition von epochenübergreifenden Sammelbänden beteiligt. Nun hat sie mit ihrem neuesten Buch einen Überblick über die Geschichte der Frauen in Russland "von der frühesten Zeit bis in die Gegenwart" vorgelegt. In einer bewundernswerten Leistung führt sie die Forschung zum Thema zusammen und stellt sich die anspruchsvolle Aufgabe, nebst der zeitlichen Tiefe auch der ethnischen Vielfalt des Russländischen Reiches Rechnung zu tragen.
In acht Kapiteln, die in etwa der üblichen Periodisierung der Geschichte Russlands folgen, wird zunächst jeweils kurz die allgemeine politische und sozioökonomische Entwicklung skizziert, um dann näher auf die Rolle der Frau einzugehen. Untersucht wird, welche Stellung die Frauen in Familie und Gesellschaft hatten, wie sich diese in Abhängigkeit von Alter, Ethnizität, Zivilstand, Religion und sozialer Zugehörigkeit unterschied, welche Handlungsspielräume Frauen ausschöpfen konnten, und letztlich, welchen Einfluss sie auf die Geschichte Russlands ausübten. In jedem Kapitel werden exemplarisch Frauen näher vorgestellt, in den meisten Fällen sind es prominente Persönlichkeiten wie die Fürstin Ol'ga, die Bojarin Morozova, Katharina II., Aleksandra Kollontaj oder für die neueste Zeit Julija Timosenko.
Das Buch möchte einen breiteren Kreis von Leserinnen und Lesern ansprechen, es herrscht ein deskriptiver, erzählender Ton vor, der auch weniger präzise Aussagen in Kauf nimmt, etwa wenn es heißt: "The Russians were more insistent on getting people married and keeping them that way than were many other peoples in Europe." (S. 102)
Für die Kiever Rus' weist die Verfasserin auf die vielen Ähnlichkeiten mit dem übrigen Europa hin; bei den Unterschieden hebt sie die Tatsache hervor, dass in der Rus' die Mitgift der Frauen nicht in den Besitz des Mannes überging. Die gedrängte Form führt dazu, dass die Aussagen nicht immer genügend differenziert werden...





