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Abstract
Zusammenfassung
Die Soziologie setzt meist stillschweigend voraus, dass heutige Gesellschaften als Ordnungen aktiver zielstrebiger Wesen funktionieren. Sie unterschätzt die ordnungserhaltende Wirkung eines Fatalismus, der die Beteiligten auch soziale Arrangements hinnehmen lässt, die sie nicht schätzen, und dazu beiträgt, dass Unzufriedenheit sich nicht in artikulierte Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen übersetzt. Dieser Fatalismus findet sich nicht allein bei den gänzlich Machtlosen. Es gibt einen Fatalismus der Bessergestellten (der manchmal die Form eines "positiven Denkens" annimmt) und auch einen eigenständigen Fatalismus der Eliten. An Letzterem zeigt sich besonders deutlich, dass Fatalismus, weil er vom Nachdenken entlastet, zugleich handlungsfähig macht und seine Ordnungswirkung gerade auch diesem Umstand verdankt. Um diese Mechanismen des Ordnungserhalts zu erfassen, knüpft der Artikel zunächst an eine von Durkheim über Bourdieu bis Boltanski reichende Selbstkritik einer normativistischen Soziologie an. Im Anschluss daran nimmt er klassische pragmatistische Überlegungen auf, die es erlauben, Fatalismus als ein spezifisches Muster sozial vermittelter Reflexivität zu begreifen.





