Content area
Abstract
Hintergrund und Ziele
Arztbriefe sind heute noch immer das wichtigste Medium zur Informationsübermittlung vom Klinikarzt an den Hausarzt, weshalb die Arztbrieferstellung einen wesentlichen Geschäftsprozess für Gesundheitsversorger darstellt. Durch die Optimierung solcher Kernprozesse auch mittels effizienter Informationstechnik sollen Kosteneinsparungen erreicht werden. Dafür wird im Universitätsklinikum Erlangen das klinische Prozesssteuerungssystem SOARIAN eingesetzt.
Im Oktober 2006 wurde in der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen die bisherige auf dem Textverarbeitungsprogramm MICROSOFT WORD basierende Arztbriefschreibung für stationäre Behandlungsfälle durch das Arztbriefmodul SOARIAN CLINICAL LETTER abgelöst. Nach sechsmonatigem Pilotbetrieb wurde immer noch Kritik an diesem neuen Arztbriefsystem geübt, da es aus Anwendersicht "zu langsam" und "zu umständlich" war.
Zur detaillierten Analyse und Objektivierung dieser allgemeinen Kritikpunkte und eventueller soziotechnologischer Probleme wurden für die vorliegende Arbeit ein Prozessmodell der Arztbriefschreibung, ein objektiver Vergleich der eingesetzten Arztbriefsysteme an Hand von Indikatoren sowie die Identifizierung von Optimierungsmöglichkeiten als Ziele definiert.
Methoden
In einer subjektivistischen Prozessanalyse wurden mittels semistrukturierter Interviews und Beobachtungen die bestehenden Geschäftsprozesse bzw. Workflows erfasst und auf Unterschiede sowie Besonderheiten untersucht. Die eingesetzten Arztbriefsysteme wurden in einer objektivistischen Systemanalyse an Hand der Indikatoren Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit, systembedingte Wartezeit und der Anzahl der Benutzerinteraktionen verglichen.
Ergebnisse
Unter Verwendung der Business Process Modelling Notation (BPMN) wurde ein vollständiges Prozessmodell der Arztbriefschreibung in der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen erstellt. Die eingesetzten Arztbriefsysteme WORD und SOARIAN unterscheiden sich im Wesentlichen durch die unstrukturierten bzw. strukturierten Arztbriefinhalte sowie in der Bearbeitungszeit der kritischen Workflows. Für die isolierte Betrachtung eines fiktiven Arztbriefes summiert sich die Bearbeitungszeit auf 1971,5 s (WORD) bzw. 2011,7 s (SOARIAN), woraus sich eine Differenz von 40,2 s (2 %) zu Gunsten des Arztbriefsystems WORD ergibt. Das Arztbriefsystem SOARIAN bietet jedoch insbesondere durch die Interoperabilität und die Wiederverwendbarkeit von Arztbriefinhalten Synergieeffekte. Ergänzend zu den etablierten Arztbriefschreibungsprozessen und zur vorhandenen Basisfunktionalität des Arztbriefsystems SOARIAN sind zusätzlich Optimierungen durch Leistungssteigerung und Funktionalitätserweiterung des Systems, konsequente Nutzung der elektronischen Patientenakte als Datenquelle für Arztbriefe, elektronisches Diktatmanagement sowie kontinuierliches Prozessmanagement möglich.
Praktische Schlussfolgerungen
• Die Darstellung mittels BPMN liefert ein adäquates zielgruppenorientiertes Modell der untersuchten Arztbriefprozesse.
• Ein optimales Arztbriefsystem besteht aus den komfortablen Funktionalitäten eines Textverarbeitungsprogramms verbunden mit der automatisierten Übernahme von zuvor im klinischen Arbeitsplatzsystem strukturiert dokumentierten Befunden.
• Um die Synergieeffekte des Arztbriefmoduls SOARIAN CLINICAL LETTER zu realisieren, muss das klinische Prozesssteuerungssystem SOARIAN flächendeckend im Universitätsklinikum Erlangen benutzt werden.
• Die erfolgreiche Einführung eines Arztbriefmoduls erfordert klare, einheitliche Vorgaben zur Vorgehensweise bei der Arztbriefschreibung innerhalb der jeweiligen Klinik.
• Zur kontinuierlichen Qualitätssicherung des Arztbriefschreibungsprozesses ist ein auf Indikatoren basierendes Prozessmanagement erforderlich.





