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Strahlend weißes Keramik-Service, Silberbesteck, Rotwein und Rosen: das, was man einen gut gedeckten Tisch nennt. Doch die Atmosphäre des einladenden Dinner-Ensembles täuscht. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auf den Tellern eingebrannt, amtliche Briefe und bürokratische Formulare, die mit Aquarell-Malereien verziert sind. Die bunten Farben überdecken jedoch nicht den düsteren Inhalt der Dokumente: „Ausweis für Vertriebene“ ist dort unter anderem zu lesen. Schnell wird klar, es handelt sich dabei um die Zeugnisse einer Flucht: die der Künstlerin selbst.
Zusammen mit ihrer kleinen Tochter ist die ukrainische Architektin und Künstlerin Maria Kulikovska im Februar 2022 von Kyiv nach Linz gekommen. Bekannt ist sie unter anderem durch die Friedens-Performance „254“, für die sie 2014 in St. Petersburg zeitweilig in Haft war.
In ihrer sehr persönlichen Arbeit „Table 2“, die nun in der Freien Akademie der Künste in Hamburg zu sehen ist, hat sie ihren Weg nach Deutschland künstlerisch verarbeitet. Thematisch spiegelt sich darin der Krieg, ihre Fluchterfahrungen und Ängste sowie Gedanken zu ihrer Rolle als Mutter wider. Wie emotional aufgeladen die Werke für Kulikovska sind, merkt man ihr an. Es fällt ihr schwer, über all das zu sprechen: „Ich habe noch nicht einmal in meiner eigenen Sprache...





