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Abstract

In der vorliegenden vergleichenden Arbeit wurde versucht, an einigen reprasentativen Werken aufzuzeigen, welche Gestaltung die Tochter in der deutschen Prosa erhalten hat. Wahrend der Generationskonflikt zwischen Vater und Sohn oft in der Literatur besprochen wurde, hat die literarische Tochter das Interesse der Forschung bisher in geringem Masse erfahren. Bei der Vater-Tochter-Beziehung handelt es sich nicht um das alte Thema des Generationswechsels mit neuen Variationen: Einzelstudien zum Tochterbild lassen eine gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems erkennen. Im Gegensatz zum Sohn steht die Tochter nicht nur in psychischer sondern auch in materieller Abhangigkeit von ihrem Vater. Mit der Frage nach der--moglichen-ablosung der mannlichen Autoritatsperson im Leben der Tochter entwickelt sich der handlungsentscheidende Konflikt um die verhinderte oder verhandelte Ehe. An diesem Abhangigkeitsverhaltnis gehen viele Tochter zugrunde.

Das eindrucksvollste Bild vom Leiden der Tochter wurde von Ingeborg Bachmann in ihrem Roman Malina gepragt: Der Friedhof der ermordeten Tochter. Bei Bachmann fungiert der Vater als Exponent der machtstrukturierten Gesellschaft, der patriarchalischen Autoritat schlechthin. Eng verwandt mit der Ich-Gestalt in Malina sind Gabriele Reuters Agathe Heidling, Tony Buddenbrook und Effi Briest. Diesen Tochtern stehen Fanny Lewald, Fontanes Corinna Schmidt, Kafkas Amalia und Elisabeth Plessens Augusta gegenuber, deren Vater ein emanzipatorisches Streben forderten oder duldeten; aus diesem Grunde gelang es ihnen, uber die von per patriarchalischen Gesellschaft gesetzten Grenzen hinaus, ein selbstandigeres Dasein zu fuhren.

Dieser emanzipatorische Ansatz setzt sich verstarkt in den Werken der Schriftstellerinnen der Gegenwart fort. Mit der literarischen Vatersuche--an der sie jetzt gleichberechtigten Anteil haben--verfolgen die Tochter das doppelte Ziel der Vergangenheitsbewaltigung und Selbstfindung. Sie haben als anklagende Schriftstellerinnen ihre Unabhangigkeit erworben.

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In der vorliegenden vergleichenden Arbeit wurde versucht, anhand einiger repräsentativer Werke zu zeigen, welche Gestalt die Tochter in der deutschen Prosa erhalten hat. Während die Generationenkluft zwischen Vater und Sohn in der Literatur oft thematisiert wurde, fand die literarische Tochter bislang wenig Beachtung in der Forschung. In der Vater-Tochter-Beziehung geht es nicht um das alte Thema des Generationswechsels mit neuen Variationen: Individuelle Studien zum Bild der Tochter offenbaren eine gesellschaftliche Dimension des Problems. Im Gegensatz zum Sohn ist die Tochter nicht nur psychisch, sondern auch materiell von ihrem Vater abhängig. Mit der Frage nach der – möglichen – Loslösung der männlichen Autoritätsperson im Leben der Tochter entfaltet sich der handlungsbestimmende Konflikt um die verhinderte oder ausgehandelte Eheschließung. Viele Töchter gehen an dieser Abhängigkeit zugrunde.

Das eindrücklichste Bild vom Leiden der Tochter hat Ingeborg Bachmann in ihrem Roman Malina: Der Friedhof der ermordeten Tochter geprägt. Der Vater fungiert bei Bachmann als Exponent der Machtgesellschaft, der patriarchalischen Autorität par excellence. Eng verwandt mit der ersten Person in Malina sind Gabriele Reuters Agathe Heidling, Tony Buddenbrook und Effi Briest. Im Gegensatz zu diesen Töchtern stehen Fanny Lewald, Fontanes Corinna Schmidt, Kafkas Amalia und Elisabeth Plessens Augusta, deren Väter ein emanzipatorisches Streben forderten oder tolerierten; Aus diesem Grund gelang es ihnen, über die Grenzen der patriarchalischen Gesellschaft hinaus eine unabhängigere Existenz zu führen.

Dieser emanzipatorische Ansatz setzt sich in den Werken zeitgenössischer Autorinnen fort. Mit der literarischen Vatersuche, an der sie nun gleichermaßen beteiligt sind, verfolgen die Töchter das doppelte Ziel der Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung. Als anklagende Schriftsteller haben sie sich ihre Unabhängigkeit verdient.

Details

Title
Das opfer emanzipiert sich: Die tochter im deutschen roman des 19. Und 20. Jahrhunderts. (German text)
Author
REJDA, SYBILLE BERG
Publication year
1983
Publisher
ProQuest Dissertations Publishing
ISBN
979-8-204-54489-5
Source type
Dissertation or Thesis
Language of publication
German
ProQuest document ID
303165945
Copyright
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