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Finanzielle Inklusion spielt eine entscheidende Rolle bei der Überwindung von Ar-mut und zur Erreichung mehrerer UN-Entwicklungsziele. Ein Baustein dieser fi-nanziellen Inklusion sind Heimatüberweisungen von Menschen mit Migrationshin-tergrund an ihre in der Heimat verbliebenden Familienmitglieder und Bekannten. Diese Heimatüberweisungen haben unterschiedliche Funktionen, wie etwa die Si-cherung des täglichen Überlebens. Sie dienen aber auch als Investition in die Zu-kunft für eine geplante Rückkehr der emigrierten Person oder zum Aufbau unter-nehmerischer Tätigkeiten. Auch die genutzten Kanäle zum Versenden dieser Mittel sind sehr heterogen. So nutzt ein großer Teil der Weltbevölkerung informelle Ka-näle, die generell als riskanter gelten als formelle aber häufig teurere und langsa-mere Wege über Banken und andere regulierte Dienstleister. Innovativen Finanz-technologien und digitalen Dienstleistungen wird hierbei ein großes Potenzial zu-gesprochen, einerseits sicherere und andererseits kostengünstige und schnelle Hei-matüberweisungen zu ermöglichen.
Wissenschaftlich wurden bisher insbesondere die Nutzung von Heimatüberweisun-gen und die Effekte dieser Gelder auf individueller und volkswirtschaftlicher Ebene in den Empfängerländern untersucht. Weniger stark wurden dabei die Motive zur Nutzung bestimmter Überweisungswege durch die Senderin bzw. den Sender, ins-besondere aus einer deutschen Perspektive, beleuchtet. Die vorliegende Disserta-tion adressiert diese Forschungslücke, indem sie die Bedürfnisse bei Heimatüber-weisungen von in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte in den Fokus rückt. Darüber hinaus untersucht sie, ob und inwieweit, diese Bedürf-nisse auch bereits durch Finanztechnologien adressiert werden. Aufbauend auf the-oretischen und literaturgestützten Überlegungen wurde die Zielgruppe anhand eines Fragebogens zu ihrem Verhalten bei Heimatüberweisungen befragt und die gesam-melten Daten deskriptiv und analytisch ausgewertet.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Beweggründe für die Nutzung bestimmter Kanäle von individuellen und kulturellen Hintergründen der beteiligten Personen, aber auch von wirtschaftlichen und politischen Bedingungen im Sender- und vor allem im Empfängerland abhängen, die Kosten und die Geschwindigkeit der Trans- fers aber stets entscheidende Faktoren darstellen. Außerdem wird ersichtlich, dass die Nutzung informeller Wege je nach Bedingungen im Empfängerland nicht selten die besser oder gar die einzige zur Verfügung stehende Wahl für Heimatüberwei- sungen ist. Dennoch bleibt das individuelle Risiko in Form eines Teil- oder Kom- plettverlusts der übersendeten Gelder bestehen. Auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht bergen Geldtransfers über informelle unlizenzierte Kanäle das Risiko, dass diese Gelder kriminellen oder terroristischen Zwecken zugeführt oder aus kriminel- len Geschäften kommend sauber gewaschen werden.
Finanztechnologien haben hier das Potenzial, Heimatüberweisungen kostengünstig, schnell und sicher durchführen zu können. Doch auch deren Nutzung und Akzep-tanz hängen von regionalen, technischen und regulatorischen Aspekten ab. So zeigt sich etwa, dass M-Money-Dienstleistungen in Subsahara-Afrika auf großen Zu-spruch stoßen, während sie sich in anderen Regionen der Welt kaum durchsetzen konnten. Ein wichtiger Baustein zur Stimulierung von Heimatüberweisungen ist die Interoperabilität von Finanzdienstleistern über Grenzen und Währungsräume hin-aus. Regulierung und Zentralbanken haben hierbei einen großen Einfluss auf diese Interoperabilität über die Erstellung technischer, digitaler Schnittstellen, z. B. auch durch die Nutzung digitaler Zentralbankwährungen.