Content area
Abstract
Bei Patienten, die an der Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes leiden, werden apoptotische Zellen von Phagozyten oftmals unzureichend internalisiert, so daß sterbende Zellen sekundär nekrotisch werden. Dadurch werden zum Teil modifizierte intrazelluläre Bestandteile freigesetzt, was die Generierung von Autoantikörpern begünstigt, die hauptsächlich gegen nukleäre Moleküle wie Histone, Nukleosomen und dsDNA gerichtet sind. Die Beobachtung, daß apoptotische Zellen neben klassischen „Eat-me“-Signalen wie Phosphatidylserin (PS) unter anderem auch Histone und Nukleosomen auf der Außenseite ihrer Plasmamembran exponieren und entsprechende Hinweise aus der Literatur ließen einen spezifischen Oberflächenrezeptor auf Makrophagen vermuten, der Histone bzw. Nukleosomen erkennt. Ein Defekt dieses putativen Rezeptors könnte möglicherweise an der beeinträchtigen Phagozytose apoptotischer Zellen beim SLE beteiligt sein. Deshalb war ein Ziel dieser Arbeit einen membranständigen Bindungspartner für Histone auf Makrophagen zu identifizieren und mögliche Bindemotive für Histone auf apoptotischen Zellen zu ermitteln, da bislang keine Oberflächenstrukturen bekannt sind, die für eine Exposition von Histonen während der Apoptose verantwortlich sind.
Mit Hilfe von immobilisierten Phospholipiden konnte in vorliegender Studie die Bindung von Histonen an PS aufgedeckt werden, zusätzlich wurde die Interaktion der verschiedenen Histonklassen mit PS-haltigen Liposomen quantifiziert, wobei die Affinität für H2A am stärksten war. Während der Apoptose könnten deshalb Histone bereits im Kern mit nukleärem PS einen Komplex eingehen, der dann an die Oberfläche apoptotischer Zellen transloziert wird und durch Membranintegration von PS zur Exposition der Histone führt.
Die Existenz eines potentiellen Histonrezeptors auf Makrophagen wurde an Membranpräparationen einer murinen Makrophagenzellinie durch Pull-down mit Histon-Sepharose untersucht. Dabei wurden mehrere Mitglieder der Familie der Hitzeschockproteine wie Grp94, Calreticulin, Hsp70, FKBP12 und BiP zusammen mit Histonen präzipitiert. Obwohl Grp94, Calreticulin sowie BiP typischerweise im ER und Hsp70 bzw. FKBP12 im Zytoplasma lokalisiert sind, ist das Vorkommen dieser Hsps nicht auf diese Kompartimente limitiert. Die Membranlokalisation von Calreticulin, BiP und Hsp70 wurde in der murinen Zellinie RAW264.7 durch verschiedene Methoden bestätigt, zudem wurden Calreticulin und BiP als Bestandteile spezialisierter Membrandomänen, den sogenannten Lipid Rafts, in verschiedenen Immunzellinien identifiziert. Darüber hinaus war auch Hsp90 maßgeblich in Lipid Rafts dieser Zellen exprimiert. Mittels Oberflächenplasmonresonanz und Fluoreszenztitration wurden Gleichgewichtsdissoziationskonstanten (KD) von 4 nM bzw. 440 nM berechnet, die eine starke Wechselwirkung zwischen Hsp90 und Histonen widerspiegeln. Funktionell könnte diese Interaktion bei der Phagozytose von Bedeutung sein, da Hsp90 in vitro die Aufnahme FITC-konjugierter Sepharose in Anwesenheit verschiedener Serumbedingungen beeinflußte. Aus der Interaktion von Hsp90 mit Histonen bzw. Nukleosomen und der Histonbindung an PS entstand das Modell eines ternären Komplexes, der beim SLE zu einer gesteigerten Immunogenität dieser Moleküle führen könnte.
Ein weiterer Zusammenhang der Hsps mit SLE könnte sich aus genetischer Sicht erschließen, da die Gene für Hsp90, FKBP51 und Hsp70 auf Chromosom 6 in einem Suszeptibilitätslokus für humanen SLE angesiedelt sind. Deshalb wurde in dieser Arbeit die genetische Assoziation verschiedener alleler Varianten dieser drei Hsps mit SLE in einer Fall-Kontroll-Studie zu analysieren. Bei einer Erlanger Kohorte wurden ein SNP im Bereich von Hsp90 (P=0,0258) und ein Haplotyp (CACTG) des Hsp70-Lokus (P=0,0086) identifiziert, die jeweils signifikant mit SLE assoziiert waren. Die Assoziation der allelen Variante TG des Hsp70-Genbereichs konnte zudem in einer unabhängigen Replikationsstudie mit noch höherer statistischer Signifikanz (P=0,31 x 10-5) bestätigt werden.





