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Abstract

Medien konstruieren Realität, insbesondere die Tatsachen, die wir nicht selbst erleben und dementsprechend durch eigene Erfahrungen kontrastieren können. Dazu gehören Images von Ländern. Die Vermittlung der Medien suggeriert im Prinzip, dass alle Kulturen und Gesellschaften genauso gut abzubilden sind, indem alle grundsätzlich beobachtbar sind. Allerdings ist die wechselseitige Medienbeachtung verschiedener Länder ganz unterschiedlich und infolgedessen werden die Bilder des Auslands vom internationalen Nachrichtenfluss geprägt. Unabhängig davon, ob die Medienrealität stimmt oder nicht, hat sie reale Konsequenzen: in Vorstellungen, Einstellungen oder beim Verhalten. Auch die Politik bzw. die Politiker werden von den Medien beeinflusst. Das heißt, unter Umständen werden auch politische Entscheidungen von der Medienberichterstattung bestimmt, z. B. über den Verlauf der internationalen Beziehungen, über interregionale Zusammenarbeit, über Entwicklungshilfe bzw. Kredite.

Lateinamerika gehört zu den Teilen der Erde, die relativ wenig Beachtung in den europäischen bzw. deutschen Medien finden. Das gilt insbesondere für die alltägliche Politik. Eher ziehen Krisen, Kriege und Katastrophen Aufmerksamkeit auf sich, die dann das Image dieser Region dominieren. Die lateinamerikanischen Länder erleben allerdings andere Prozesse, die für die internationalen Beziehungen relevanter als die konjunkturellen Konflikte sind. Dazu gehören die Integrationsprozesse. Die regionale Integration in Lateinamerika zielt seit den 90er-Jahren Jahren darauf ab, den Mitgliedstaaten eine stärkere Position im globalen Wirtschaftsmarkt zu ermöglichen. Die Integrationsprozesse in Lateinamerika verfügen jedoch bereits über eine längere Geschichte und haben sowohl wirtschaftliche als auch politische Zwecke verfolgt.

Das südamerikanische Abkommen MERCOSUR (Mercado Común del Sur – Gemeinsamer Markt des Südens) wurde 1991 maßgeblich nach dem Vorbild des europäischen Integrationsprozesses gegründet. Die Mitgliedstaaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – neuerdings inkl. Venezuela sowie der assoziierten Länder – versuchen, neben der wirtschaftlichen Kooperation weitere Fortschritte auf der politischen Ebene zu erreichen. Für die Entwicklung des MERCOSUR lässt sich die Europäische Union nicht nur als Modell, sondern auch als bedeutsamer Partner für die Handelsbeziehungen verstehen. Die beiden Integrationsräume verfolgen überdies ökonomische, aber auch politische Ziele wie den Schutz und die Verstärkung der Demokratie und des Multilateralismus. Die EU sieht im MERCOSUR nicht nur einen Markt, der mitassoziierten Ländern fast den ganzen Subkontinent umfasst, sondern auch einen strategischen Partner für geopolitische Zwecke wie die internationale Zusammenarbeit für die Weltsicherheit. Der MERCOSUR seinerseits erhofft durch die Intensivierung der interregionalen Kooperation mit der EU, den wirtschaftlichen und politischen Einfluss der USA in Südamerika zu verringern und dadurch die internationalen Beziehungen der Region zu diversifizieren.

Seit der Entstehung des MERCOSUR hat sich die EU für diese Wirtschaftsgemeinschaft interessiert. Bereits im Jahr 1992 begann die Kooperationsgeschichte zwischen beiden Integrationsprozessen. Später fingen die regionalen Blöcke an, die Gründung einer transatlantischen Freihandelszone zu verhandeln. Die Verhandlungen sind bisher aufgrund diverser Schwierigkeiten ins Stocken geraten. Eine strategische Kooperation im politischen, ökologischen und Bildungsbereich zwischen der EU und dem MERCOSUR weist jedoch bemerkbare Fortschritte auf. Nicht zuletzt stützen sich die Beziehungen zwischen beiden Regionen neben Handelsfragen auf einen strategischen politischen Dialog und technische Kooperation. Es ist davon auszugehen, dass sich die Entscheidungsträger – wie auch andere Leserinnen und Leser – über andere Länder vor allem anhand von Berichten aus den Medien und insbesondere aus der ausführlicher berichtenden (Qualitäts-)Presse informieren und diese die Einschätzung und das Bild anderer Länder beeinflussen. Aus diesem Grund gibt eine Analyse der Auslandsberichterstattung Aufschluss darüber, wie viel und welche Informationen und Wertungen die Presse anbietet und damit zur Imagebildung beiträgt.

Alternate abstract:

Media construct reality, especially the facts that we do not experience ourselves and can accordingly contrast through our own experiences. This includes images of countries. The way the media is conveyed suggests in principle that all cultures and societies can be portrayed just as well in that they can all be observed in principle. However, the mutual media attention of different countries is very different and as a result the images of the foreign countries are shaped by the international flow of news. Regardless of whether the media reality is correct or not, it has real consequences: in ideas, attitudes or behavior. Politics and politicians are also influenced by the media. This means that political decisions may also be determined by media coverage, e.g. on the course of international relations, on interregional cooperation, on development aid and loans.

Latin America is one of the parts of the world that receives relatively little attention in the European and German media. This is especially true for everyday politics. Rather, crises, wars and disasters attract attention, which then dominate the image of this region. The Latin American countries, however, are experiencing different processes that are more relevant to international relations than the economic conflicts. This includes the integration processes. Since the 1990s, regional integration in Latin America has aimed to give member states a stronger position in the global economic market. However, the integration processes in Latin America have a long history and have pursued both economic and political ends.

The South American MERCOSUR (Mercado Común del Sur - Common Market of the South) was founded in 1991, largely based on the model of the European integration process. The member states Argentina, Brazil, Paraguay and Uruguay - recently including Venezuela and the associated countries - are trying to achieve further progress on the political level in addition to economic cooperation. The European Union can be seen not only as a model for the development of MERCOSUR, but also as an important partner for trade relations. The two integration areas also pursue economic as well as political goals such as the protection and strengthening of democracy and multilateralism. The EU sees in MERCOSUR not only a market that includes associated countries almost the entire subcontinent, but also a strategic partner for geopolitical purposes such as international cooperation for world security. For its part, MERCOSUR hopes that the intensification of interregional cooperation with the EU will reduce the economic and political influence of the USA in South America and thereby diversify the region's international relations.

The EU has shown interest in this economic community since MERCOSUR was created. The history of cooperation between the two integration processes began as early as 1992. Later the regional blocs began to negotiate the establishment of a transatlantic free trade area. Negotiations have so far stalled due to various difficulties. A strategic cooperation in the political, ecological and educational area between the EU and MERCOSUR shows however noticeable progress. Last but not least, the relations between the two regions are based on trade issues, strategic political dialogue and technical cooperation. It can be assumed that the decision-makers - like other readers - obtain information about other countries primarily from reports from the media and especially from the (high-quality) press that reports in detail, and that these influence the assessment and image of other countries . For this reason, an analysis of international reporting provides information about how much and what information and evaluations the press offers and thus contributes to image building.

Details

Title
Immerwährende Ungleichheiten? Lateinamerikanische Integration, Internationaler Kommunikationsfluss Und Die Berichterstattung in Der Deutschen Qualitätspresse
Author
Rodríguez, Malvina
Publication year
2009
Publisher
ProQuest Dissertations & Theses
ISBN
9798744481315
Source type
Dissertation or Thesis
Language of publication
German
ProQuest document ID
2600355813
Copyright
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