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Heinz A. Richter
Der Krieg im Südosten. Bd. 1: Gallipoli 1915
Ruhpolding, Mainz: Rutzen, 2013. 289 S., 122 Abb., 18 Ktn., 1 Faltkarte = PELEUS. Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns, 65/1.
ISBN: 978-3-447-10118-9.
Heinz A. Richter
Der Krieg im Südosten. Bd. 2: Makedonien 1915-1918
Ruhpolding, Mainz: Rutzen, 2014. 202 S., 91 Abb., 4 Ktn. = PELEUS. Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns, 65/2. ISBN: 978-3-447-10249-0.
Thematisch ragt die zweibändige Veröffentlichung über den „Krieg im Südosten" von Heinz A. Richter aus einer wahren Flut an Publikationen, welche 2014 anlässlich des Gedenkjahres zum Weltkriegsbeginn auf den Markt kamen, zweifellos heraus. Als erste jüngere kongruente Gesamtdarstellung in deutscher Sprache stehen zum einen die von der Entente durchgeführte Dardanellen-Expedition, zum anderen die Saloniki-Expedition und der daraus entsprießende makedonische Kriegsschauplatz im Fokus. Dass dies längst überfällig ist, illustriert Richter, ausgewiesener Experte für griechische Neuere und Neueste Geschichte, in seiner Einleitung selbst, sind doch - so der Autor - in Deutschland, aber auch in Westeuropa, nur noch Reste vom Bewusstsein um die besagten Kriegsschauplätze an der südosteuropäischen Peripherie vorhanden. Während auch Gallipoli weitgehend außerhalb der deutschsprachigen Historiographie laufe, stelle insbesondere die „Makedonien-Front [...] offensichtlich kein Thema der Geschichtswissenschaft mehr" dar (Bd. 2, S. 9). Die beiden Bände „Gallipoli 1915" und „Makedonien 1915-1918" sollen, so die Intention des Autors, diese Lücke füllen.
Nebenkriegsschauplätzen wohnt das inhärente Wesen inne, dass sie aus der Perspektive der Hauptkriegsparteien zwar keineswegs kriegsentscheidend wirken müssen, aber den Gesamtverlauf zumindest partiell zu beeinflussen vermögen. Aus der Perspektive der beteiligten Protagonisten sowie der ebendort eingesetzten Truppen stellen sie hingegen eine buchstäblich existenzielle Dimension dar. Dies zeigt sich an beiden von Richter untersuchten Kriegsschauplätzen; man denke nur an die Wirkung des Abwehrsieges gegen die westlichen Großmächte auf die osmanische Armee und den noch heute herausragenden Stellenwert des Gedenkens der ANZAC-Truppen an Gallipoli in der neuseeländischen und der australischen Gesellschaft. Die Saloniki-Front wiederum stellte die Souveränität des bis 1917 neutralen Griechenland infrage, führte im Königreich innenpolitisch zu einer verhärmten Spaltung, dem so genannten „Ethnikos Dichasmos" - einem ernsthaften nationalen Schisma. Darüber hinaus bot sie für die serbischen Truppen die Aussicht, an der Haustüre ihrer gänzlich von den Mittelmächten besetzten Heimat weiterzukämpfen, während es für den bulgarischen Part primär um die nationale Schlüsselidee, nämlich die Inkorporation großer...





