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Kritische Anmerkungen zum Beitrag von Alexander Nicolai und Alfred Kieser »Trotz eklatanter Erfolglosigkeit: Die Erfolgsfaktorenforschung weiter auf Erfolgskurs«
DBW 62. Jg (2002), S. 579-596
Erfo lg sfa kto re ? forsch un g; Marktorien tierung; Radikaler Konstruktivismus
Im Anschluss an March und Sutton behaupten Nicolai und Kieser in ihrem pro Vokativen Beitrag (2002), die Erfolgsfaktorenforschung sei gescheitert und die Forscher wüssten dies auch, setzten aber dennoch ihre Forschung in heuchlerischer Weise fort, um Ressourcen einzuwerben und Paper zu publizieren. In dieser Stellungnahme wird das Scheitern der Erfolgs faktorenforschung bestritten. Darüber hinaus wird Nicolais und Kiesers konstruktivistische Interpretation der Erfolgsfaktorenforschung kritisiert.
Man kann die Erfolgsfaktorenforschung aus heutigem Blickwinkel heraus als ein - allerdings recht heterogenes - wissenschaftliches Forschungs- oder Erkenntnisprogramm auffassen, das anhand seiner Leistungsfähigkeit bzw. seines wissenschaftlichen Erfolges kritisch beurteilt werden kann (vgl. z. B. Bohnen 1975, S. 4L). Dabei tritt aber zunächst das Problem auf, den Erfolg auf der übergeordneten, metasprachlichen Ebene zu konzeptualisieren und zu operationalisieren, was die Angabe von Indikatoren sowohl für den Erfolg als auch für den Misserfolg einschließen müsste. Ein solches Konzept, das eine ausgewogene Evaluation der Erfolgsfaktorenforschung ermöglicht hätte, entwickeln Nicolai und Kieser jedoch nicht. Statt dessen rekurrieren sie ausschließlich auf »Indikatoren der Erfolglosigkeit« (Nicolai / Kieser 2002, S. 581). Der gesamte Beitrag gerät damit von vornherein in die Schieflage der Einseitigkeit.
Nach Nicolai und Kieser stellen u. a. die methodischen Schwächen und die widersprüchlichen Befunde Indikatoren der Erfolglosigkeit der Erfolgs faktorenforschung dar. Ihrer Auffassung nach gibt es »derzeit kein einziges Ergebnis ..., das als gesichert gilt ...« (Nicolai / Kieser 2002, S. 582). Sie belegen dies anhand von fünf »Großprojekten« der Erfolgsfaktorenforschung und sympathisieren schließlich mit jenen Kritikern, die dafür plätheren, den Ansatz der Erfolgsfaktorenforschung gänzlich zu verwerfen (ebenda, S. 583 f.).
Diese Position übersieht aber, dass die Erfolgs faktorenforschung, trotz aller ihrer methodischen Schwächen (s.u.), zu einer Reihe von übereinstimmenden Ergebnissen gekommen ist und insofern auch einen gewissen Erfolg aufweist. So hat z. B. der Verfasser 1990 in einer Meta-Analyse von 40 empirischen Stuthen neben zahlreichen methodischen Defiziten...





