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Matthias Bunzel Die Raupenbahn. Kultur und Geschichte eines legendären Karussells im Museumsdorf Cloppenburg. Cloppenburg: Stif tung Museumsdorf Cloppenburg 2013, 118 S., zahlr. Farb- u. Schwarzweißabb. (Materialien und Studien zur Alltagsgeschichte und Volkskultur Niedersachsens, 44). ISBN 978-3-938061-25-1.
Die Raupenbahn, eine Sonderform der Berg- und Talbahn, ist mit ihrem charakteristischen raupengrünen Stoffverdeck, das sich zum Schluss der Fahrt über die Gäste im Chaisenzug stülpt, seit ihrem ersten Produktionsjahr 1925 in Deutschland eines der beliebtesten Fahrgeschäf te gewesen. Als Symbol der jugendlichen Subkultur der Wirtschaf tswunderzeit ist sie legendär geworden. Auf dem Umlauf der "Raupe" drängte sich die Jugend, weil stets die aktuellen Schlagerplatten aufgelegt wurden, hier stiegen die Mädchen und Jungen zu in der Hof fnung, einander unter dem noch nicht einmal eine halbe Minute lang geschlossenen Raupenverdeck näherzukommen.
2005 hat das Niedersächsische Freilichtmuseum Museumsdorf Cloppenburg eine der ältesten noch erhaltenen Raupenbahnen Deutschlands in seine Sammlung aufgenommen. Sie ist 1936 von der renommier ten Firma "Hans und Paul Gundelwein Karussellbau" im thüringischen Wutha gebaut worden. Nach mehrjähriger aufwendiger Restaurierung konnte das Museum die Raupenbahn 2011 pünktlich zu ihrem 75-jährigen Geburtstag auf seiner ersten "Historischen Dorfkirmes" wieder ihre Runden drehen lassen.
Zu seiner dritten "Dorfkirmes" hat nun das Freilichtmuseum eine ausführliche, reich illustrierte Dokumentation der Geschichte seiner Raupenbahn veröffentlicht. Sie ist das Ergebnis sorgfältiger Recherchen, die Autor Matthias Bunzel in seiner Zeit als wissenschaf tlicher Volontär des Museums, in der er auch die aufwendige Restaurierung des Karussells kuratierte, durchgeführt hat. Mit seinem Werk liefert Bunzel eine der ersten fundierten Monografien zu Fahrgeschäften überhaupt und füllt schon von daher ein vergnügungsgeschichtliches Desiderat. Es ist darüber hinaus die erste Arbeit, die sich ausführlich mit der soziokulturellen Bedeutung eines Fahrgeschäf ts befasst.
Bunzel schildert zunächst die Frühgeschichte des Karusselltyps Raupenbahn von seiner Entwicklung aus dem Vorläufertyp Berg- und Talbahn - interessanterweise im fernen Pennsylvania - über seine Etablierung in Europa bis zur Aufnahme seiner Produktion durch deutsche Karussellbauanstalten ab 1925. Bei der sich anschließenden Betrachtung der Raupenbahn unter soziokulturellen Aspekten springt Bunzel sogleich in die 1950er- und frühen 1960er-Jahre, in denen die "Raupe" wie kein anderes Fahrgeschäf...





