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Peter Weiss' longstanding fascination with images of violence and pain is from the very beginning accompagnied by a certain anxiety and even a sense of guilt. These conflicting attitudes relate not only to descriptions of artworks in "The Aesthetics of Resistance," but also to the author's two best-known dramatic productions. While the late novelistic trilogy stages the confrontation with iconic representations of violence and pain as one of overwhelming immediacy and presence, "Marat/Sade" effectively dismantles one such icon, David's famous portrait of the revolutionary slain in his bathtub. The other play, The Investigation, programmatically rejects the idea of representing atrocities committed in the concentration camps, but, paradoxically, the self-imposed proscription on images proves to be no less evocative than the ekphrastic 'image-effects' of the other two works.
Laokoon und seine Söhne, von Schlangen umwunden, verharren in den Dehnungen und Krümmungen ihres Gefangenseins. Unaufhörlich bleibt Laokoons Bauch eingezogen, unaufhörlich sind seine Muskeln gespannt, in der Erwartung des tödlichen Bisses. Der Kopf der Schlange stößt sich in seine linke Hüfte, während er mit dem hochgestreckten rechten Arm, dessen Adern vorquellen, ihren Leib von sich abstemmt. Sein Mund, und der Mund des jüngsten Sohns, ist halb geöffnet, nicht in einem Schrei, sondern in der letzten Anstrengung vor dem Ermatten. Peter Weiss, Laokoon oder Über die Grenzen der Sprache1
Peter Weiss' Rede "Laokoon oder Über die Grenzen der Sprache", gehalten 1965 anläßlich der Entgegennahme des Lessingpreises der Stadt Hamburg, berührt sich, anders als ihr Titel erwarten läßt, nur am Rande mit Lessings Laokoon-Essay. Der Name Laokoon im Titel von Weiss' Dankesrede bezieht sich auf die berühmte Figurengruppe, deren kurze Beschreibung eingebettet ist in eine Erzählung von Sprachgewinn und Sprachverlust. Die Rede zeichnet ein spannungsvolles Verhältnis nach, das, nicht untypisch für diesen Autor, Ablehnung und nachdrückliche Bejahung, Resignation und Zuversicht verbindet. Die Ursachen dieser Ambivalenz in der Bewertung der Sprache sind autobiographischer und historischer Art, obgleich die Rede dazu tendiert, ihre Unterscheidungen vorzubringen, als handle es sich um allgemeine anthropologische Bestimmungen.
Lessings Versuch, die Grenzen von Malerei und Dichtkunst festzulegen, ist bei Peter Weiss eingeengt auf einen Essay über die Grenzen der Sprache (ein Untertitel, der der Erwartung einer allgemeiner gehaltenen Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen der Sprache Vorschub leistet). Während Lessings Abhandlung eine nachdrückliche Vindizierung des imaginativen Potentials,...