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Zusammenfassung: Als Begrifferst seit Hannah Arendts Vita activa von 1958 (und den entsprechenden Vorarbeiten in ihrem 2002 veröffentlichten Denktagebuch) philosophisch eingeführt, spiegelt die menschliche Bedingtheit der Natalität oder Gebürtlichkeit weite Strecken der abendländischen Geistesgeschichte kritisch, soweit diese sich auf die Geburtsstunde der griechischen Philosophie im platonischen Beweis der Unsterblichkeit der Seele angesichts von Sokrates' Tod zurückführen lässt. Als derart prinzipieller Neuanfang ist Arendts Kategorie der Natalität bald auch von der Theologie aufgenommen worden (I), erfährt aber erst seit wenigen Jahren zusammenhängend eine kritische Würdigung in nihilistischen (L. Lütkehaus), dekonstruktivistischen (A.R. Boelderl) und phänomenologischen (Ch. Schües) Strömungen der Philosophie. Der Autor gibt einen Überblick über die Begriffskarriere (II) sowie eine Einordnung vom Blickwinkel der Theologischen Anthropologie (III).
Summary: The theological reception of Hannah Arendt's natality concept (I) is more ambivalent than its philosophical turn against Heideggerian mortality. Recent approaches from Husserlian philosophy (particularly Ch. Schües) suggest that natality refers to the existence of a 'bodily self' (B. Waldenfels) with spontaneous sensibility in mediated immediateness (II). These findings relate to problems in both philosophical and theological anthropology, which both point to the fundamental neediness of man (III).
Die englische Sprache, auf deren Vorzüge ich an der entscheidenden Stelle dieses Vortrags noch zurückkommen muss, kennt zur Bezeichnung neuer Ideen den Ausdruck brainchild, der sich im Deutschen nur unvollkommen wiedergeben lässt. Auf Deutsch kann man zwar angesichts ungewohnter Denkwege fragen, »wes Geistes Kind« sie seien, aber diese Frage richtet sich eben auf den Urheber des Gedankens, während das englische brainchild den Gedanken selbst ins Auge fasst. Neue Ideen sind demnach wie Kinder derer, die sie denken. Ist jemand lange Zeit mit einem bestimmten Gedanken schwanger gegangen, dann ist es nicht unangemessen zu sagen, die betreffende Person habe eine Idee in die Welt gesetzt, also buchstäblich geboren. Die Assoziation des brainchild ist gerade beim Thema Natalität von Interesse, weil es hier naheliegt, die Karriere dieses Begriffs selbst als die Geschichte einer Geburt zu verstehen. Da Geburtsgeschichten immer nur im Rückblick erzählt werden können, setzen meine Überlegungen im I. Teil rezeptionsgeschichtlich mit einigen frühen theologischen Aufnahmen des von Hannah Arendt geprägten Konzepts ein, um so das Argument herauszuarbeiten, das Arendt dem Nachdenken über den Menschen (Anthropologie) zur Verfügung stellt.2 Weil mit diesem Zugang aber auch die Gefahr einer metaphysischen...





