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Die Bedeutung Marpergers in der Wirtschaftsgeschichte ist gebührend und mit zahlreichen Nachdrucken seiner Publikationen gewürdigt worden1. In Nürnberg als Sohn eines Offiziers geboren, ist er von seinem Vater nach Lyon in ein Handelshaus geschickt und dort mit den merkantilistischen Lehren von Jacques Savary vertraut gemacht worden, dessen "Colbertismus" sein ganzes Leben bestimmt hat. Die gründliche Beherrschung der französischen Sprache ermöglichte es ihm, in die aufblühende wirtschaftswissenschaftliche Fachliteratur einzudringen, was ihm in seinen zahlreichen eigenen Schriften zugute kam. Nach den Lehrjahren in Lyon und Genf folgten unruhige Wanderjahre durch viele deutsche und europäische Länder: Wien, Lübeck, Kiel, Breslau, Moskau, Petersburg, Stockholm und Kopenhagen werden genannt, ehe er, inzwischen als Wirtschaftsberater berühmt, sich Sachsen zuwandte und 1714 als Königlich Polnischer und Kursächsischer Hof- und Kommerzienrat in Dresden niederließ. 1708 wurde er sogar zum Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt.
Zwar hatte et frühzeitig schon mit Wissenschaftlern verschiedener Richtungen Kontakt gesucht, war aber im Wesentlichen als Autodidakt vom praktischen Kaufmann (ohne eigenes Handlungsgeschäft, nur als Berater) zum Gelehrten und Polyhistor geworden. Adolf Harnack beschreibt in seiner "Geschichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin"2 Marpergers Berufung so: "Sein Name hat in der Geschichte der Handelswissenschaft, der politischen Geographie und Statistik einen sehr guten Klang; er hat diese Disziplinen in Deutschland mitbegründet; allein auch er war durch bittere Noth ein mercenarius geworden, dichtete und schrieb um Geld, was man ihm auftrug, auch bittere Angriffe." Der barocke Charakter seiner Lebensart und Schreibweise führte ihn weit über die Kameralwissenschaften hinaus in andere Lebens- und Wissensbereiche mit Schriften über andere Regionen und Länder, zur praktischen Anleitung in der Lebensfuhrung, auch erbaulichen Inhalts, selbst mit Lobliedern für absolutistische Herrscher und gegen Entgelt verfassten Gelegenheitsgedichten. Auch als poeta laureatus, als kaiserlich gekrönter Dichter 1698, war sein Schicksal durch drückende Abhängigkeit geprägt. Außergewöhnliche geistige Beweglichkeit und vielseitige Belesenheit erbrachten bei Marperger eine umfangreiche schriftstellerische Produktion, die schon wegen ihrer Breite und Vielseitigkeit auch in der Sprachgeschichtsschreibung Beachtung verthent, wo er bisher nicht erscheint. Hinzu kommt, das s bei seiner Viel- und Schnellschreiberei die sprachlichen Formulierungen nicht ausgefeilt werden konnten, so dass hier etwas vom wissenschaftlichen Alltag des ausgehenden 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts greifbar wird. Unter diesem Aspekt könnte das zum Positivum werden, was in der Historiographie des 19. Jahrhunderts an seiner...