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Christian Krijnen: Philosophie als System. Prinzipientheoretische Untersuchun- gen zum Systemgedanken bei Hegel, im Neukantianismus und in der Gegen- wartsphilosophie. Würzburg: Königshausen & Neumann 2008. 438 Seiten. ISBN 978-3-8260-1675-2.
Christian Krijnens Monographie verschafft dem Systemgedanken der Philoso- phie wieder die gebührende Würde. In erster Linie stellt sich das Buch als eine Konfrontation der "Systemreflexionen" Hegels mit ähnlich gelagerten Reflexio- nen Rickerts dar. Garniert wird es in zweiter Linie mit einer grundlegenden Diskussion der Frage, wie sich Hegels Systemgedanke zur den Ansätzen der Neu- kantianer verhalte. Insbesondere wird dem Autor aber auch das Verhältnis des philosophischen Systemgedankens zu den zeitgenössischen Ansätzen von Hans Wagner und Werner Flach zum Thema.
Zunächst diskutiert Krijnen das Problem des Anfangs bei Hegel und Rickert (51-74). Hinter der prima facie eher exegetisch situierten Analyse steckt jedoch als Kern die Frage nach der Möglichkeit der Letztbegründung. Es sei Hegel und dem Neukantianismus um die Letztbegründung eines jeglichen objektiven gegen- ständlichen Sinns gegangen (53).
Dankenswerterweise präzisiert der Autor in diesem Zusammenhang den genauen und einzig zulässigen Sinn philosophischer Letztbegründung. Eine recht verstandene Letztbegründungsreflexion geht mitnichten von irgendeinem schlich- ten empirischen Faktum aus, sondern vielmehr vom exklusiven Faktum der Gel- tungsprätention (70). Mit Blick auf Hegel führt diese zutreffende Einsicht Krijnens zur These, der Progress der Begriffe im Gang der "Logik" dürfe sein Ziel keineswegs antizipieren (82). All diese Interpretationen des Autors münden kon- sequenterweise in eine Analyse des Anfangs der Hegel'schen Logik ein - genauer gesagt, in eine Analyse des Kapitels " Womit muss der Anfang der Wissenschaft gemacht werden". Hier unterscheidet Krijnen zunächst zwischen realem Anfang einerseits und logischem Anfang andererseits (86). Nur der logische Anfang könne als unmittelbar und unvermittelt gefasst werden, der reale Anfang dagegen müsse stets als vermittelt aufgefasst werden. Der logische Anfang wiederum sei alterna- tiv zu unterscheiden in einen gnoseologischen und einen ontologischen Anfang. Krijnen macht hier geltend, dass der ontologische Anfang sowohl nach der Auf- fassung Hegels als auch nach der Auffassung Rickerts dem gnoseologischen An- fang nachgeordnet sei - und zwar in der Weise, dass der gnoseologische Anfang den ontologischen allererst fundiere. Natürlich wird dem Autor auch das Verhält- nis von "Phänomenologie" und "Wissenschaft der Logik" hier zum Problem. Bekanntlich beansprucht Hegel in der Wissenschaft der Logik einen absoluten An- fang aller Bestimmung des Denkens...





