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Abstract
This article proposes to interpret Surah 97 based on research undertaken in the framework of the Corpus Coranicum project. The first part scrutinizes Christopn LUXENBERG'S seriously flawed argument that Surah 97 can be understood as a Qur'anic hymn on the Nativity of Jesus if some of its key expressions are read against the semantic background of Syriac, while the remainder of the article en- deavours to develop a more tenable understanding of the text. This involves an attempt to date Surah 97 relative to other Quranic texts and to detect possible additions to it. In addition, the article discusses the meaning and reference of its most central term, laylat al-qadr. Finally, special attention is given to the question whether the text might not, in spite of the circularity of LUXENBERG'S reading, contain implicit references to the Nativity.
Einleitung
In seiner 2000 veröffentlichten Studie über die Syro-aramä-ische Lesart des Koran1 geht Christoph Luxenberg - wie bereits 25 Jahre vor ihm Cfünter Lüling2 - davon aus, dass es sich beim Koran ursprünglich um einen christlichen Text gehandelt habe, der im Verlaufe seiner Uberliefe- rungsgeschichte substantiellen Verlesungen und Umdeutungen ausgesetzt gewesen sei. Weil Luxenberg seine Position auf relativ weit reichende Konjekturen und aramäisierende Umdeutungen koranischer Termini gründet, ist für eine Bewertung der wissenschaftlichen Haltbarkeit seines Vorgehens die Frage zentral, inwieweit derartige Texteingriffe durch nach- vollziehbare methodische Prinzipien diszipliniert sind. Wie inzwischen mehrfach gezeigt worden ist, lassen sich allerdings gerade in dieser Hinsicht gravierende Mängel in seiner Argumentation nachweisen: So stipuliert er als Kriterium für die Zulässigkeit von Emendationen oder syrisch-aramäi- schen Reinterpretationen die .Unklarheit' bzw. .Dunkelheit' des traditio- nellen Verständnisses einer gegebenen Koranstelle,3 versteht .Unklarheit' dann aber in einem so weiten und unspezifischen Sinne, dass auch durch- aus verständliche Texte wie jene Passagen, in denen die weiblichen Ge- spielinnen der Seligen erwähnt werden, aufgrund ihrer moralischen Anstö- ßigkeit und ihrer Divergenz von christlichen Paradiesvorstellungen als .dunkel' zu gelten haben.4
Der vorliegende Beitrag soll nun keinen erneuten Versuch unterneh- men, Luxenbergs These von einem syrischen Substrat des Korans einer allgemeinen Bewertung zu unterziehen. Stattdessen möchte ich mich einem einzelnen Korantext zuwenden, auf den Luxenberg in einem 2003 publizierten Aufsatz5 seinen methodischen Ansatz ausgedehnt hat: Sure 97, nach ihrem Anfangsvers traditionell als sur at al-qadr bezeichnet und von...





