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Multinationale Unternehmen haben Anreize, Steuerdifferenzen zwischen den Ländern auszunutzen und mit HiHe von Verrechnungspreisen Gewinnverlagerungen in Niedrigsteuerländer vorzunehmen. Zugleich dienen sie jedoch oit auch der innerbetrieblichen Koordination sowie möglicherweise als strategisches Wettbewerbsinstrument. Der Beitrag diskutiert formalanalytische Modelle der jüngeren Vergangenheit und analysiert, wie Unternehmen Verrechnungspreise und Organisationsstrukturen bei unterschiedlichen Wettbewerbsformen und zulässigen Verrechnungspreismethoden optimal ausgestalten und ob Anreize für eine ,,aktive" Verrechnungspreispolitik bestehen. Zudem wird untersucht, ob und wie Unternehmen ihr Verhalten ändern, wenn eine Durchbrechung zulässiger Verrechnungspreissetzungen mögliche Sanktionen durch die Finanzverwaltungen nach sich ziehen.
1 Einleitung
Da Verrechnungspreise ein zentrales Steuerungsinstrument des Unternehmens sind, waren sie in den vergangenen Jahrzehnten auch stets ein Schwerpunkt der theoretischen Forschung. Die grundlegenden Analysen von Schmalenbach (1908/09) und Hirshleifer (1956) wurden sukzessive erweitert bezüglich Fragestellungen der Organisation, insbesondere der Vergabe von Entscheidungs- und Verfügungsrechten, der Berücksichtigung von Investitionen in Produktqualitäten und -kapazitäten, der Einbeziehung unterschiedlicher Risikoeinstellungen der Entscheidungsträger, Zeit- und Informationsstrukturen, Markt- und Wettbewerbsformen sowie insbesondere auch die Steuergesetzgebung.
Unter Vernachlässigung multinationaler Unternehmenstätigkeit existiert bereits eine Fülle Problemstellungen und Analysen zu Verrechnungspreisen. Pfaff/Pfeiffer (2004) geben einen umfassenden Überblick über drei zentrale Richtungen: Arbeiten in der Tradition der Neoklassik, agency-theoretische Beiträge sowie Modelle auf Basis von Transaktionskosten und unvollständigen Verträgen.1
Die in diesen Ansätzen diskutierten ökonomischen Aspekte werden durch weitere Effekte ergänzt und überlagert, wenn man den Fokus auf die Gestaltung von Verrechnungspreissystemen und Organisationsstrukturen im internationalen Kontext erweitert. Unternehmen besitzen nun starke Anreize, mit Hilfe von Verrechnungspreisen Gewinne in ,,Steueroasen" zu verlagern. Zudem sind unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen, zusätzliche Akteure (Finanzveraltungen, Gesetzgeber) sowie die zwischen diesen vorliegenden Zielkonflikte und Informations-asymmetrien zu berücksichtigen. Der nachfolgende Beitrag diskutiert wesentliche Erkenntnisse formalanalytischer Analysen. Hauptaspekt ist die Frage, wie Unternehmen angesichts verschiedener Wettbewerbsformen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Wahl der Verrechnungspreise und der Organisation nutzen und welche Verhaltensänderungen sich ergeben, falls Finanzverwaltungen eine unzulässige Verrechnungspreispolitik mit Strafmaßnahmen sanktionieren.
Autbau des Beitrags: Abschnitt 2 diskutiert Aspekte, die maßgeblichen Einfluß auf die Analyse von Verrechnungspreisen und Organisationsstrukturen im internationalen Kontext besitzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung von Verrechnungspreisen und Organisationsformen mit dem Ziel der Koordination und Verhaltenssteuerung (Managerial Accounting). In den Abschnitten 3 und 4 werden für die Wettbewerbsformen Monopol bzw. Dyopol Fragen der Organisation und der Verrechnungspreise unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen eingehend diskutiert. Abschnitt 5 beleuchtet die Sicht der Finanzverwaltungen als Gestalter der Rahmenbedingungen....





